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„Ich bin die Alternative“

Von admin | 25 November 2007

Bryan Adams wurde von Christian Bos interviewed

„Design“ und „Technik“ protzen die Großbuchstaben im Loungelicht. Darunter glänzen, noch schöner ausgeleuchtet, blank gewienerte Audi-Limousinen. Es gibt Häppchen, Prosecco, Barbara Schöneberger und Barbara Schönebergers Dekolleté. Die aufwändige Inszenierung gilt der Markteinführung des neuen Audi A4, und die Ingolstädter lassen sich ihre Mittelklasse-Limousine von niemand Geringerem als Bryan Adams besingen, dem kanadischen Großwesir der Rockschnulze.



Dem will ich ein paar Fragen stellen. Nicht zum „Summer of 69“ oder ob er je wirklich, wirklich, wirklich eine Frau geliebt hat. Sondern zu seiner erstaunlichen Zweitkarriere als Porträtfotograf und Herausgeber des „Zoo Magazine“, in dem die besten Modefotografen der Welt ihre unkonventionelleren Arbeiten präsentieren. Alles läuft wie geplant. Doch dann eilt Adams’ Manager auf mich zu und teilt mir einen kleinen Änderungswunsch mit: „Bitte keine Fragen zu Fotografie. Mister Adams will diesen Teil seines Lebens geheim halten.“ Oh. Ist sicher gar nicht so einfach, wenn man seine Bilder bereits in „Vogue“, „Vanity Fair“ und „Harper’s Bazaar“ veröffentlicht hat. Na gut. Reden wir erst mal über Autos.

KÖLNER STADT-ANZEIGER: Herr Adams, Sie sind hier auf Werbetour für den Audi A4. Was interessiert Sie an Autos? Das Design?

BRYAN ADAMS: Mich interessieren alle Dinge, die gut designt sind. Und das ist ja ganz offensichtlich, dass man bei Audi viel Zeit darauf verwendet, dass die Wagen gut aussehen und sich gut anfühlen.

Nehmen Sie sich viel Zeit fürs Sounddesign, wenn Sie eine Platte aufnehmen?

ADAMS: Nicht fürs Sounddesign. Aber fürs „Songdesign“. Die Lieder existieren bereits in meinem Kopf. Aber das Arrangement ändert sich. Weil das, was du in deinem Kopf hörst, sich doch sehr von dem unterscheidet, was du bekommst, wenn du mit fünf Musikern im Studio bist.

Ihre Mitmusiker geben viel Input?

ADAMS: Ich sage jedem, was er zu spielen hat. Ich bin ein Diktator. Na ja, ein gutmütiger Diktator.

Sind Sie beim „Zoo Magazine“ auch Alleinherrscher?

ADAMS: Ich versuche es. Aber ich habe beim „Zoo Magazine“ zwei Partner, da muss ich diplomatischer vorgehen. „Zoo“ ist ein Kunstprojekt. Es geht darum, etwas zu erschaffen, was schön und andersartig ist. Ich glaube, es hat niemand damit gerechnet, dass ich so etwas mache.

Warum haben Sie es denn gemacht? Und warum in Deutschland?

ADAMS: Ich war es einfach leid, ständig an anderer Leute Türen anklopfen zu müssen. Wir dachten, Deutschland wäre ein passender Ort, weil es hier vor vier Jahren nichts in der Richtung gab. Ich konnte ja nicht ahnen, dass wir am Scheitelpunkt einer Welle standen.

Was gefällt Ihnen am Verleger-Dasein?

ADAMS: Dass ich die künstlerische Lizenz habe, alles zu machen, was ich will, wie ich es will. „Zoo“ soll zwar nicht die Bryan-Adams-Zeitschrift sein. Aber ich nutze das Magazin für meine Porträtfotografie. Wenn ich reise, begegnen mir außergewöhnliche Leute. In Brasilien habe ich jetzt den Architekten Oscar Niemeyer porträtiert.

Sie haben auch Amy Winehouse, Take That und Morrissey porträtiert. Ihr Halbakt von Pink dürfte vielen aufgefallen sein. Ist es als Musiker einfacher, andere Musiker zu fotografieren?

ADAMS: Nein. Vielleicht glauben sie, dass Musiker irgendwie anders sind, aber wir sind auch Menschen. Wir kuscheln gerne . . . (lacht)

Klar. Nur ich dachte, Sie als Popstar hätten da ein besonderes Entree.

ADAMS: Möchte man meinen. Aber du kriegst nichts geschenkt. Du zahlst dein Lehrgeld.

Haben Sie als Musiker ja reichlich. Ist das Musikmachen heute schwieriger für Sie, wo Sie sich an Ihren Erfolgen messen müssen?

ADAMS: Es war niemals leicht. Es ist leicht, Songs zu schreiben. Es ist schwer, gute Songs zu schreiben. Wie bekommst du das hin, dass die immer selben Noten, die immer selben Worte wieder originell klingen? Einer meiner Lieblingssong von Joe Cocker ist „You Are So Beautiful“. So ein simpler Song! Jeder andere hätte wohl nichts daraus gemacht. Aber so wie Joe den gesungen hat, schießen dir Tränen in die Augen.

Aber wie merke ich, dass ich diesen einen, ganz besonderen Song geschrieben habe?

ADAMS: Du lebst mit ihm. Woher weißt du, dass eine neue Freundin die Richtige sein wird? Du lebst mit ihr. Oder noch besser: Du fährst mit ihr in Urlaub.

Sie hatten einige dieser Songs und die haben sich wahnwitzig gut verkauft. Reizt es Sie nicht, mal was völlig Experimentelles aufzunehmen?

ADAMS: Ich weiß nicht, was Sie meinen. Ich habe experimentelle Musik aufgenommen. Oder denken Sie, ich bin eines Morgens aufgewacht und dachte: „Hey, das ist wirklich kommerziell“? Jetzt hören Sie mal zu: Ich bin die Alternative! (lacht)

Aber Ihnen könnte schon im Vorfeld aufgefallen sein: Oh, das klingt aber radiofreundlich?

ADAMS: Wäre ich in einer Million Jahre nicht draufgekommen.

Quelle: Kölner Stadt-Anzeiger

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