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Der bewegte Mann

Von Claudia Panoscha | 2 August 2006

Bryan Adams ist immer in Aktion: Er reist er als Sänger durch die Welt, oder sucht nach neuen Motiven für seine Zeitschrift. Der bewegte Mann.

Rastlosigkeit ist wohl das erste, was einem einfällt, wenn man Bryan Adams’ Leben betrachtet. Als Sohn eines britischen Militär-Diplomaten und einer Lehrerin kommt er in Kingston, Ontario, zur Welt. In seiner Jugend zieht er unzählige Male um, lebt in Wien, in Portugal. Mitte der Siebziger, als seine Eltern sich trennen, geht er mit der Mutter nach Ottawa. Später lehnt er es ab, wie sein Vater und Großvater eine Militärakademie in England zu besuchen, wird Rocksänger, wechselte die Hotels und die Bühnen wie andere Leute die CDs in ihren Anlagen. “18 Till I Die” heißt einer seiner größten Hits. Er sagt, es sei sein Lebensmotto. 18 bis ich sterbe. Dabei ist der Kanadier mit der prägnanten Stimme, die rau und zugleich weich ist und selbst Fahrstuhlmusik noch Bedeutung verleihen kann, doch so viel mehr als ein lebenshungriger Dauerjugendlicher, der Hedonismus mit Heldentum verwechselt. Vielleicht ist es ja die Erkenntnis, dass die großen Momente als Bühnenstar letztlich flüchtig und ohne Inhalt sind, die den mittlerweile 46-Jährigen zu seiner zweiten großen Leidenschaft führt, der Fotografie. Die Zeit festhalten. Menschen, denen man kurz begegnet, mit sich nehmen, auf Papier gebannt, beständig. Nicht rastlos. Zunächst fotografiert Adams seinen Touralltag, 1999 schießt er das Cover für sein Album “The Best Of Me”. Und schon sein erster Auftrag, eine 20-Seiten-Produktion für die britische “Marie Claire”, macht den Hobbyfotografen zum begehrten Profi. Bald stehen andere Berühmtheiten vor seiner Linse, nicht nur wegen der Eleganz seiner Bilder, sondern auch, weil er ihr Leben so gut kapiert. Celine Dion, Liz Hurley, Hillary Clinton. Die Queen kürt ihn sogar zu ihrem Jubiläumsfotografen. “Kreativ, ganz und gar nicht einfach und jeweils ungeheuer befriedigend” - so beschreibt Bryan Adams gegenüber GALA seine beiden Passionen.

Die ganz große Liebe gehört aber doch der Musik. “Kann ich länger nicht singen, werde ich echt ungemütlich”, sagt er einmal. “Das Gefühl, aus voller Kehle zu singen, ist einfach unglaublich. Wer kein Ventil hat, seine überflüssige Energie loszuwerden, der wird irgendwann total frustriert.” Andererseits sei das vorgeblich so schillernde Tourleben alles andere als eine immerwährende Party. Die zwei Stunden auf der Bühne seien klasse, erklärt er, die restlichen 22 des Tourtages Zeitverschwendung. “Je erfolgreicher ein Musiker ist, desto kleiner wird die Welt, in der er sich bewegen kann. Man hat immer mit denselben Leuten zu tun: denen von der Plattenfirma, der Band, dem Management. Ich mag es, auf Tour zu gehen, aber nicht immer. Insofern rettet mich die Fotografie vor der Isolation.” Auch um anderen jungen Fotografen die Möglichkeit zu geben, ihre Bilder der Öffentlichkeit zu zeigen, gründet er 2003 zusammen mit dem Niederländer Sandor Lubbe das ambitionierte Lifestylemagazin “Zoo”, das er in Berlin herausgibt. Reichtümer kann er damit nicht verdienen, dazu ist sein qualitativer Anspruch zu hoch. Aber Anerkennung bekommt er, und zwar reichlich. Seine Serie “Play it again Mickey” über Hollywoodstar Mickey Rourke wird mit dem renommierten Lead-Award 2006 als beste Porträtfotografie ausgezeichnet. Renomée, das ihm auch zu Industrieaufträgen verhilft. Zur Markteinführung des VW-Cabrioletcoupés Eos setzen er und vier weitere erfolgreiche Fotografen das neue Wolfsburger Modell für die Juniausgabe des “Zoo”-Magazins in Szene. “Ich habe mich sehr über die Zusammenarbeit gefreut. Wir wollten das neue Auto mit etablierten Dingen zeigen. Also mit dem Hotel Ritz in Paris und den berühmten Louis Vuitton Koffern drum herum. Wir wollten, dass sich der Wagen unterscheidet”, beschreibt Adams seinen Zugang zum Projekt.

So einhellig seine überwiegend in Schwarz/Weiß aufgenommenen Bilder gefeiert werden, an seiner Musik scheiden sich die Geister. Offenbar tun sich viele Musikkritiker schwer, einen Rockstar, der weder durch Drogenexzesse noch durch verwüstete Hotelzimmer auffällt, cool zu finden. Seine eingängigen Balladen wie “(Everything I Do) I Do It For You” oder “It’s Only Love” werden schon mal als “McDonald’s-Rock” abgetan. Die Fans hingegen lieben ihn: Mehr als 60 Millionen Alben hat er verkauft, sein Hit “Summer Of ‘69″ wird regelmäßig auf die persönlichen Listen der wichtigsten Lieder gewählt. Für seine Soundtracks wird er drei Mal mit einer Oscarnominierung geehrt: “I’ve Finally Found Someone”, “Have You Ever Really Loved A Woman” und “(Everything I Do) I Do It For You”. In Kanada nimmt man ihn in die Music Hall of Fame auf. Da kann der vorgeblich so Uncoole den Kritikern ganz cool kontern:. “Werde ich musikalisch mal etwas anderes machen? Nein. Ich bin doch ganz gut in dem, was ich tue. Und ich bin auch sehr zufrieden damit. Es gibt also keinen Grund, etwas anderes zu machen.”

Schon lange geht es ihm nicht mehr um den großen Egotrip, um Ruhm oder Ehre. Er will was bewegen. Ob gegen Walfang oder für Waisenkinder, als Unterstützung für Greenpeace, Live Aid oder Amnesty International - wann immer ein Charity-Event ein prominentes Zugpferd braucht, ist Adams zur Stelle. Der Erlös seiner drei Bildbände “Made in Canada”, “Haven” und “American Women”, in denen er jeweils prominente Frauen aus Kanada, England und den Vereinigten Staaten porträtiert, kommt dem Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York zu Gute. Beide Bücher sind eine Hommage an Adams enge Freundin Donna, die an Brustkrebs starb. Dass er für seine Bildbände ausschließlich Frauen auswählt, mag Zufall sein. Sicher ist, dass Adams, der so oft von Frauen umgeben ist und sich einen Romantiker nennt, seine Mrs Adams noch nicht gefunden hat. Vielleicht, sagt er, liege es an seiner Schüchternheit und Nervosität, “wann immer weibliche Wesen in der Nähe sind”. Oder auch nicht. Er spricht nicht gern über sein Privatleben, jedenfalls nicht öffentlich. Eine Affäre verbindet ihn mit der Bestseller-Autorin und New Yorker Society-Lady Plum Sykes und wohl auch mit Topmodel Linda Evangelista.

Und glaubt man Paul Burrell, dem ehemaligen Butler von Lady Di, dann gab es auch eine Liaison zwischen dem Sänger und der 1997 verunglückten Princess of Wales. Gelegenheit, die Frau fürs Leben zu finden, hat Adams nicht nur durch seine Fotoarbeit. Das britische Magazin Tatler setzte den inzwischen in London lebenden Veganer 2003 auf seine Liste der am häufigsten eingeladenen Persönlichkeiten an 13. Stelle - drei Plätze höher als Kate Moss. Als Partygast bei Elton John und David Furnish mischte er mit einer ziemlich anrüchigen Version von “Hey Big Spender” die Gesellschaft auf. Er selbst nennt sich einen “globalen Vagabunden”. Manchmal wacht er in einem Hotelzimmer auf und weiß nicht, in welcher Stadt er gerade ist. Will ins Badezimmer, findet die Tür nicht, steht orientierungslos im Gang. Er möchte nicht mehr ständig auf Tour sein, höchstens zehn Tage im Monat. Vielleicht ist es an der Zeit, dass der Reisende Adams zu Hause ankommt, wo immer das auch sein mag. Und dass dort jemand auf ihn wartet, bei dem er dann endlich mal rasten und ruhen kann.
Vanessa Oelker
Mitarbeit: Michael Schacht

Quelle: Gala

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Kommentare zu diesem Beitrag

  1. Von Sonja Weigl geschrieben:

    Ja das würde ich ganz besonders ihm wünschen einen
    Menschen der ihn seinetwillen liebt und nicht wegen des Geldes was bei Promis ziemlich schweirig sein dürfte.
    Ich liebe ihn ganz besonders als Musiker er ist einfach genial und meine Musikrichtung eine bessere gibts nicht für mich da ist musikalisch alles drin .Grüsse von einem extrem weiblichen
    Fan.

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