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ZIMMER-SERVICE WIE IN SPITZENHOTELS

Von admin | 30 September 2004

Der kanadische Sänger Bryan Adams begeistert am Sonnabend in Leipzig 10 000 Fans mit feinstem Rock und Balladen.

Sein aktuelles Album „Room Service“ hat Kanadas Ober-Rocker Bryan Adams in Hotelzimmern während seiner Tourneen aufgenommen. Zurzeit ist er in deutschen Nobelherbergen und Konzerthallen unterwegs, am Sonnabend machte er Halt in der Arena Leipzig. Das, was er bei seinem einzigen Auftritt in den neuen Bundesländern bot, war mindestens so gut wie der Zimmer-Service der Hotels, in denen er logiert.

„Room Service“ heißt auch der Titel, den der 45-Jährige am Anfang und am Ende des Konzertes spielt – das erste Mal volle Pulle mit kompletter, vierköpfiger Band, das zweite Mal allein mit Gitarre. Dazwischen bekommen die 10 000 Fans in der fast ausverkauften Arena zwei Stunden Rock und Balladen, Adams vom Feinsten.

Alle Altersgruppen sind vertreten. Da findet man ältere Semester, die schon zu „Heaven“ (1983) Händchen hielten und schmusten, genauso wie diejenigen, die sich zu (Everything I do) „I do it for you“ (1991) das erste Mal küssten. Und auch die, die zurzeit die Pubertät durchlaufen und zum aktuellen Schmachthit „Flying“ das Sofa nicht mehr nur zum Unterhalten benutzen, sind gekommen. Schließlich fordert der in London lebende Kanadier darin unmissverständlich zu Liebe auf: „Let’s just make love all night.“ All jene werden nicht enttäuscht. Adams bringt fast alle seiner alten, Erinnerungen weckenden Hits mit. Einmal haut er in die Saiten, dass die Arena bebt. Einmal streichelt er seine Gitarre sanft, dass das Publikum seufzt und die Feuerzeuge herausholt. Zwar singt Bryan mit seiner unverwechselbaren Reibeisenstimme nur vier Lieder seines aktuellen Albums, doch scheint dies so recht niemanden zu stören. Denn bis auf wenige Ausnahmen sind die neuen Songs weniger eingängig, haben weniger Ohrwurmcharakter, als dies „Summer of ’69“, „Run to you“ oder „Cuts like a knife“ aufbieten. Durch drei große Leinwände und einen öfters die Bühnenposition wechselnden Adams freuen sich auch die seitlich und hinten Platzierten.

Der mit schwarzem T-Shirt und Jeans gekleidete (Soft-)Rocker beweist, dass er einen Blick fĂĽr kanadische MitbĂĽrgerinnen hat. Als er in die Menge vor sich schaut und eine junge Frau sucht, die mit ihm „Baby when you’re gone“ singt, fällt seine Wahl just auf die wohl einzige Kanadierin unter den 10 000 Fans. Sie arbeitet – wie sich im Smalltalk herausstellt – als Englischlehrerin in Budapest, kann kein Wort Deutsch und war extra wegen des Konzertes angereist.

Den Höhepunkt gibt’s am Ende. Nachdem der Applaus auch nach drei Zugaben nicht enden will, lässt Adams seine Band mit dem fantastischen Vollblut-Gitarristen Keith Scott einfach hinter der Bühne – und betritt diese nochmals allein, nur mit Gitarre und Mundharmonika. Die folgenden vier Songs, darunter „Straight from the heart“ und eben das zweite Mal „Room Service“, sind eindeutig mehr, als das noch so beste Hotel einem Gast bieten kann.

quelle: sz-online.de

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